Kathrin Tschorn

Redaktion | Lektorat | PR

Wilde Tiere im Garten: Der Siebenpunkt-Marienkäfer

Warum hat der Siebenpunkt (Coccinella septempunctata) sieben schwarze Punkte auf seiner roten Flügeldecke? Weil er sonst ein Zweipunkt, Zehnpunkt oder Zweiundzwanzigpunkt wäre.

Diese gibt es wirklich. Die sieben Punkte lassen nur Rückschlüsse auf die Art von Marienkäfer zu und nicht – ein weitverbreiteter Volks(irr)glaube – auf ihr Alter. Marienkäfer sind ja keine Bäume, deren Ringe man zählen kann. Die bestimmte Anzahl von Punkten hat dem Siebenpunkt aber ein Image als Glücksbringer eingebracht, denn die 7 wird mit Glück und Mystik assoziiert. Diesen fünf bis acht Millimeter langen Marienkäfern wird die Gabe zugesprochen, Kindern Schutz bieten zu können und Kranke zu heilen. Vielleicht haben gerade diese positiven Attribute dazu beigetragen, dass das siebengepunktete Kerlchen zum Insekt des Jahres 2006 gewählt wurde. Diese Ehre kommt vor allem Tieren mit hohem Wiedererkennungswert zu; sieben Punkte sind leicht zu zählen.

In sein „ausgezeichnetes“ Leben startet das kleine, sympathische Insekt als eines unter Hunderten von Eiern, wird zur Larve und hängt sich schließlich als Puppe an die Unterseite eines Blattes bis es im Spätsommer als der uns bekannte Käfer mit Chitin-Panzer schlüpft. Die beliebteste Marienkäferart Deutschlands lebt in bewaldetem und offenem Gelände; oft verirren sich die kleinen Kerle jedoch auch in Wohnungen, deren trockene Raumluft sie meist nicht unbeschadet überstehen.

Aufgrund seines unstillbaren Blattlaus-Appetits – 5000 Stück vertilgt er während seines 12-monatigen Lebens – ist er in Gärten gern gesehen. Früher galt er unter Landwirten sogar als ein Geschenk der Heiligen Maria, daher der Name Marienkäfer. Fühlt der Siebenpunkt sich bedroht, stellt er sich tot oder gibt ein gelbes, flüssiges Gift (Coccinellin) ab, das vor allem neugierige Ameisen vertreibt. Hungrige Vögel fliegen um den in Warnfarben gekleideten Käfer sowieso einen weiten Bogen.

Wird Ihre Lieblingspflanze also mal wieder von einer Horde Blattläusen heimgesucht, dann greifen Sie nicht zur Chemiekeule, sondern legen Sie sich lieber eine paar Siebenpunkte zu. Die schonen nicht nur die Pflanze und die Umwelt, sie sind auch nett anzuschauen und bringen Ihnen als Dank fürs Futter vielleicht auch besonders viel Glück.

Veröffentlich im Falkenseer Kurier Nummer 6, Jahrgang 4, Juni 2006.

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Dieser Eintrag wurde veröffentlicht am 30. Juni 2006 von in Natur, Tiere.
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