Kathrin Tschorn

Redaktion | Lektorat | PR

Interview mit Daniela Zießnitz

Der Falkenseer Kurier sprach mit Daniela Zießnitz, die im April 2006 zur Bürgermeisterkandidation der CDU Falkensee gewählt wurde.

Falkenseer Kurier: Wie sind Sie auf die Idee gekommen, Bürgermeisterin werden zu wollen?

Daniela Zießnitz: Ich mache in Falkensee Stadtpolitik in der Stadtverordnetenversammlung und habe dadurch schon tiefe Einblicke in die Stadtpolitik bekommen. Ich habe mich mit meiner Sacharbeit gut reingearbeitet und auch reingekniet. Der Impuls kam aber eigentlich von außen. Ich bin öfter angesprochen worden, ob ich kandidieren will und auch innerhalb der CDU haben Leute gesagt: „Warum machst du das eigentlich nicht?“ Und so ist der Gedanke langsam gereift, dass ich mir überlegt habe: „Warum eigentlich nicht? Warum eigentlich nicht dafür kandidieren?“ Das hat sich also quasi aus der Arbeit entwickelt.

FK: Man sagt ja immer, Frauen müssten doppelt so hart arbeiten wie Männer, um die gleiche Anerkennung zu bekommen. Ist es als Frau schwierig, sich in der Politik zu behaupten?

DZ: Ich denke, das ist hier nicht so ein Thema. Ich habe nicht das Gefühl, dass ich mich als Frau mehr anstrengen muss. Sowohl innerhalb der CDU als auch in der Stadtverordnetenversammlung, aus der ich ja meine politische Erfahrung ziehe, ist Frau oder Mann kein Thema.

FK: Glauben Sie, dass es für die Wähler ein Thema ist?

DZ: Ich kann mir vorstellen, dass es eine Rolle spielt, ob eine Kandidatin sich zur Wahl stellt. Die FDP und die SPD werden wahrscheinlich Männer aufstellen. Ich denke, es kann für einige Wähler doch ein Thema sein, weil man Frauen oft eine andere Herangehensweise an Themen unterstellt und ich glaube auch, dass weibliche Politik anders, vielleicht einen Tick sachlicher ist. Das ist meine Erfahrung, wenn ich mit Frauen in der Politik zu tun habe. Ob es nach außen dann für den Wähler wirklich eine Rolle spielt, weiß ich nicht, aber es könnte sein.

FK: Denken Sie, eine Frau wird als Bürgermeister genauso akzeptier und als kompetent empfunden wie ein Mann?

DZ: Es kommt natürlich immer auf das Gegenüber an. Wenn man viel mit älteren Männern zu tun hat, muss man sich die Anerkennung oftmals härter erarbeiten. Das ist nicht immer einfach. Ich glaube aber nicht, dass es unbedingt nur mit Frausein zu tun hat, sondern auch mit Jungsein oder Neusein. Ich wohne ja erst seit 2002 in Falkensee und bin auch im Politikgeschäft relativ neu und deshalb muss ich erst einmal zeigen „sie ist trotzdem Falkenseerin“ und „sie kann trotzdem was, obwohl sie es noch nicht lange macht“. Das Frausein tritt dabei in den Hintergrund.

FK: Wie wollen Sie sich bis zur Wahl 2007 bei den Falkenseern bekannt und beliebt machen?

DZ: Ganz wichtig ist, dass ich mich bei den Akteuren, also allen gesellschaftlichen Gruppen, Vereinen, Kirchen usw. in Falkensee bekannt mache. Wir haben jetzt anderthalb Jahre dafür Zeit. Ich bekomme auch schon Einladungen in solche Vereine und Organisationen, wo ich mich vorstelle und mich im Rahmen von Mitgliederversammlungen mit meinen Ideen präsentieren kann. Solche Aktivitäten wie der CDU-Stand auf dem Stadtfest oder die monatlichen Stände im Stadtgebiet, werden wir, je näher der Zeitpunkt der Wahl rückt, intensivieren. Darauf freue ich mich und es gibt auch immer wieder interessantes Input.

FK: Was veranlasste Sie 2002 nach Falkensee zu ziehen?

DZ: Ich komme aus der Großstadt. Ich bin aus Berlin zugezogen, wo ich ziemlich im Zentrum, in Wilmersdorf, mit meiner Familie gewohnt habe. Wir wollten einfach Grün und eine gute Anbindung an die Stadt. Das war uns wichtig, da mein Mann und ich in Berlin berufstätig sind bzw. waren. Die Wahl ist auf Falkensee gefallen, weil wir wussten, dass wir hier eine gute Regionalbahnverbindung in die Stadt haben. Mein Mann ist inzwischen auch hier beruflich verwurzelt. In Falkensee hatten wir Bekannte und waren deshalb auch schon öfter hier – Wir haben uns hier umgesehen und es hat uns gefallen.

FK: Kamen Sie damals schon mit der Intention nach Falkensee, sich politisch zu engagieren oder hat sich das einfach ergeben?

DZ: Das hat sich teilweise ergeben. Ich war in Berlin im vorpolitischen Raum tätig, habe dort viel Elternarbeit gemacht und war schon immer politisch interessiert. Ich kannte hier jemanden in der CDU, der gesagt hat: „Guck doch einfach mal rein, vielleicht hast du Interesse mitzumachen, deine Meinung einzubringen.“ Und so hat es sich ergeben, dass ich reingeschnuppert und nette Leute in der CDU kennen gelernt habe und dachte, mit den Menschen, mit dem Team möchtest du gerne arbeiten.

FK: Fühlen Sie sich heute als Falkenseerin?

DZ: Ja, durchaus. Am Anfang war es schwierig, aus einer Großstadt in eine Kleinstadt zu ziehen. In Berlin hat man viele Geschäfte vor der Haustür. Das ist hier natürlich anders und zuerst hatte ich so etwas wie einen Stadt-Land-Schock, aber das hat sich ziemlich schnell gegeben. Ich habe mich auch mit den Menschen hier sofort wohlgefühlt.

FK: Was hat sich seit der Wahl zur Bürgermeisterkandidatin im April in Ihrem Leben verändert?

DZ: Es lastet jetzt natürlich eine etwas größere Verantwortung auf mir.

FK: Haben Sie mittlerweile eine gewisse Prominenz, dass sie zum Beispiel öfter erkannt werden?

DZ: Selten. Die Bürger kennen mich noch nicht. Da muss ich natürlich noch viel mehr Werbung für mich machen. Wenn die stadtbekannten Akteure beisammen sind, da wird man erkannt und auch angesprochen. Ich bin heute noch politischer als sonst und kann nichts mehr ignorieren, was in der Zeitung geschrieben wird. Es hat auch mein Privatleben durchdrungen. Als Stadtverodnete kann man die politische Arbeit und das Privatleben besser trennen. Ich muss heute präsenter sein.

FK: Hat sich in Ihrem Tagesablauf etwas verändert?

DZ: Ich bin noch mehr unterwegs als sonst. Ich habe durch die Stadtverordnetentätigkeit schon viele Termine und jetzt kommt immer noch einer drauf.

FK: Eine fiktive Frage: Wenn Sie als Bürgermeisterin ein paar hunderttausend Euro geschenkt bekämen, wo würden Sie das Geld als erstes einsetzen?

DZ: Mit ein paar hunderttausend Euro kann man keine richtig großen Sprünge machen. Damit könnte man noch nicht einmal eine Turnhalle bauen, die dringend benötigt wird. Ich bin jemand, der auf solche Fragen nicht so spontan antwortet. Ich würde mir anschauen, wo der Bedarf zur Zeit am dringendsten ist und das ist dann ja wirklich abhängig von der Situation. Ich sehe eine hohe Priorität einerseits beim Straßenzustand und andererseits bei den schulischen und Kita-Einrichtungen. Das Beispiel Turnhalle ist nicht ganz so fiktiv. Wir haben noch marode Turnhallen und ich würde versuchen, vielleicht da das Geld einzusetzen. Aber wie gesagt, mit ein paar Hunderttausend kommt man nicht weit. Da kann man noch nicht einmal eine vernünftige Straße bauen.

FK: Was sind Ihre Ziele als Bürgermeisterin?

DZ: Ich stelle meine Kandidatur unter das Motto „Dialog und Transparenz“. Ich habe das Gefühl, dass die Bürger in Falkensee mit ihrem Rathaus und der Verwaltung nicht allzu viel anfangen können und das dort oft intransparente Entscheidungen getroffen werden und die Dialogbereitschaft mit dem Bürger fehlt. Das ist es, was ich höre, wenn ich mit den Menschen spreche und was ich mir auf die Fahnen geschrieben habe, wenn ich Bürgermeisterin werden würde. Ein Rathaus soll ein Ort sein, an dem die Bürger ein offenes Ohr finden. Es soll ein Innovationszentrum sein, wo sich die Bürger aufgehoben fühlen und merken, dass das Rathaus ein Ansprechpartner ist und sie dort auch Hilfe bekommen. Das ist im Moment nicht immer so.

FK: Der Fokus ist also auf Miteinander und Zusammenarbeit?

DZ: Genau. Ich möchte, dass sich alle einbringen können, was nicht heißt, dass man alles durchsetzen kann, was jemand oder eine Interessengruppe möchte. Das Mindeste ist aber Gesprächsbereitschaft, zu sagen: „Ich höre mir das Problem an und dann suchen wir gemeinsam nach einer Lösung.“ Dann muss man schauen, ob sie logistisch und finanziell realisierbar ist.

FK: Jeder Bürger soll also mit seinen Problemen ernst genommen werden?

DZ: Genau. Daraus ergeben sich auch weitere Dinge, wie zum Beispiel ein Bürgerservicebüro, ein Wirtschaftsförderungsbüro oder eine Investorenleitstelle, so dass jemand, der ein Wunsch an das Rathaus hat, so bedient wird, dass er nicht von Pontius zu Pilatus laufen muss, sondern dass seine Angelegenheiten in einer Hand erledigt werden.

FK: Wie wünschen Sie sich, dass Falkensee in zehn, 15 Jahren aussieht?

DZ: Falkensee ist eine liebenswerte Kleinstadt und könnte diesen Kleinstadtcharakter auch noch mehr nach außen tragen. Ich stelle mir vor, in zehn Jahren durch eine Bahnhofstraße zu laufen, die viel mehr kleine, ansprechende Geschäfte beherbergt, wo man gerne verweilt und bummelt, ein ansprechendes Bahnhofsumfeld im Gegensatz zu den Ruinen, die wir da heute leider noch haben. Die Verhandlungen mit der Bahn gestalten sich schwierig, sonst wären die vermutlich schon längst weg. Dass man da eine kleine Ladenzeile hat und wenn man aus dem Zug steigt, den freundlichen Kleinstadtcharakter sieht. Das ist vielleicht ein bisschen klischeehaft, aber das ist das, was ich mir für Falkensee wünsche.

FK: Was soll sich dabei für die Falkenseer verändern? Was ist Ihre Vision für die Menschen, die hier leben?

DZ: Die Vision ist, dass man alles was man für seinen täglichen Bedarf und für sein Wohlfühlen braucht auch hier in Falkensee erledigen kann. Jetzt fährt man in den Havelpark, den finde ich sehr anonym, oder ins B5-Center oder nach Berlin. Das muss nicht sein. Falkensee hat interessante Bürger, viel Potenzial auch an Flächen und Gebäuden hier im Zentrum, die noch nicht so genutzt werden wie es in einem Kleinstadtzentrum üblich ist. Die Nähe zu Berlin ist Fluch und Segen zugleich, weil die Falkenseer vielfach in Berlin arbeiten, aber auch oft ihre Einkäufe dort erledigen. Es wäre ein Mehr an Lebensqualität, wenn man alles auch hier erledigen könnte. Mal schnell ein Buch kaufen, ein Schreibwarengeschäft, so etwas fehlt hier alles. Das ist etwas, was die Politik nicht unmittelbar beeinflussen kann. Jeder Eigentümer muss selber wissen, ob er ein Geschäft eröffnen möchte oder kann. Das ist ja auch immer eine Frage der Nachfrage. Aber es wäre meine Vision zu sagen: „Falkensee ist einfach für sich selbst ein Ort mit Aufenthaltsqualität.“ Davon möchte ich auch potentielle Investoren überzeugen.

FK: Was sind die Worte, die Sie im Hinblick auf die Wahl an die Falkenseer richten wollen?

DZ: Miteinander geht’s besser. Dialog und Transparenz sind mir wichtig und ich möchte den Leuten signalisieren, dass man über alles sprechen kann und nicht nur über etwas meckern soll, sondern gemeinsam versuchen, Lösungen zu erarbeiten.

FK: Dann danke ich Ihnen für das Interview, Frau Zießnitz.

DZ: Ich danke für Ihr Interesse.

Veröffentlicht im Falkenseer Kurier Nummer 6, Jahrgang 4, Juni 2010.

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Dieser Eintrag wurde veröffentlicht am 30. Juni 2006 von in Interview, Politik.
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