Kathrin Tschorn

Redaktion | Lektorat | PR

Wilde Tiere im Garten: Die Hummel

Die zweite Episode der Reihe „Wilde Tiere im Garten“ widmet sich kleinen pelzigen Kreaturen. Im eigenen Garten oder aber auch bei Spaziergängen durch Wald und Wiesen kann man es bemerken: Allmählich brummt das Hummelvolk wieder um heimische Pflanzen.

Aber schon seit Temperaturen von 2°C sind die bis zu 23 mm langen Hummelköniginnen auf Nektar- und Pollensuche, während die ihnen verwandten Bienen dazu schon wohlige 8°C benötigen. Hat die Königin eine bequeme Behausung, zum Beispiel eine Erdhöhle, ein Moosbett, einen hohlen Stamm oder auch ein verlassenes Vogelnest gefunden, legt sie ihre Eier ab, um ein 50 bis 600 Hummeln starkes, zu einer der 250 Arten gehörendes, Volk zu gründen. Die Fütterung der madenähnlichen Larven erfolgt durch in die Brutzellen gebissene Öffnungen, bis sich die unfertigen Brummer Schmetterlingen ähnlich verpuppen und zehn Tage später als voll ausgebildete, emsige Arbeiterin-Hummeln schlüpfen.

Der Hummel-Arbeitstag umfasst tarifkonfliktverdächtige 18 Stunden, in denen sie mehr als 1000, teils geschlossene Blüten, die sie erst aufbeißen müssen, anfliegen. Einige Blumen werden sogar ausschließlich von den gestreiften Hautflüglern bestäubt. Deshalb bepflanzen Sie ihren Garten doch einmal mit Wolligem Ziest, Salbei, Schlüsselblumen oder anderen hummelfreundlichen Gewächsen; 36 der 70 in Deutschland brummenden Arten sind nämlich zumindest in ihrer Existenz gefährdet. Da Hummeln – anders als andere Stechimmen – auch bei Regenwetter keinen Arbeitsflug scheuen, bescheren sie so manchem Gärtner auch in schlechten Sommern reiche Obsternten. Eine gehörige Leistung für ein Tier, das nach (veralteten) physikalischen Berechnungen gar nicht fliegen kann. Aber die dicken Brummer sind nicht nur im Vollbesitz ihrer flug- und bestäubungstechnischen Kräfte, sie können auch mit unangenehmen Folgen verbundene Stiche vollführen. Glücklicherweise haben sie aber eine pazifistische Ader. Zumindest was die Beziehung zu uns Menschen angeht.

Den ganzen Sommer lang gibt die Königin ein Hormon ab, welches die Eiablage ihrer Arbeiterinnen verhindert. Erst im Herbst beginnen sie mit der Produktion ihrer Nachkommenschaft. Die Königin fühlt sich von den Eiern der Arbeiterinnen bedroht und zerstört sie; die Arbeiterinnen zahlen es ihr mit gleicher Münze heim und eine allgemeine Aggressivität bis hin zur Meuterei prägt die Stimmung im Nest. Mit Eintritt des Winters hauchen die Hummeln ihr Leben aus, darunter auch neun von zehn potentiellen Königinnen. Aber die eine, die übrig bleibt, lässt im nächsten Frühjahr ein neues Volk erstehen.

Veröffentlicht im Falkenseer Kurier Nummer 5, Jahrgang 4, Mai 2006.

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Dieser Eintrag wurde veröffentlicht am 30. Mai 2006 von in Natur, Tiere.
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