Kathrin Tschorn

Redaktion | Lektorat | PR

Wilde Tiere im Garten: Der Ohrwurm

Man muss nicht unbedingt nach Afrika reisen, um wilde Tiere in ihrem natürlichen Lebensraum zu bestaunen. Auch der heimische Garten oder Wald vor der Haustür bieten einen ansehnlichen und reichhaltigen Miniatur-Dschungel. Verschiedenste Kreaturen dieser Lebensräume sollen hier vorgestellt werden, wobei zunächst das Augenmerk auf die kleinsten Bewohner gerichtet sein soll, die zu oft unter der fälschlichen Bezeichnung „Schädling“ leiden müssen. Wie zum Beispiel der Ohrwurm (forficula auricularia).

Nein, nicht der aus dem Radio. Dieses etwa 15 Millimeter lange mit gruseligen Mythen belastete – und deshalb auch als Ohrenkneifer bekannte – Insekt ist nämlich gar kein Wurm. Es hat sechs Füßchen und sogar gut verborgene, im Origamiverfahren gefaltete Flügel.
Zwischen November und März legen Ohrwurm-Weibchen etwa 50 bis 70 Eier in die eigens dafür angelegten 2 bis 3 Nestkammern mit unterschiedlichen Klimaverhältnissen, die sie intensiv pflegen, reinigen und immer wieder sortieren. Da sie ihre Eier wie Löwenmütter gegen Feinde verteidigen, schlüpfen nach etwa 5 Monaten den erwachsenen Tieren recht ähnliche Larven, deren hungrige Mäuler die Mutter aufopferungsvoll stopft. Der Bestand ist auch von männlicher Seite immer gut gesichert, da Ohrwurm-Männchen praktischerweise einen „Ersatzpenis“ haben, falls das oft körperlange Original abfallen sollte. Die kleinen Ohrwürmer häuten sich so lange bis sie ausgewachsen und mit Flügeln versehen sind.
Obst befallen oder gar seine Eier in menschliche Gehirne ablegen, dazu ist der Ohrwurm aufgrund seiner viel zu schwachen Zangen am Hinterleib gar nicht in der Lage. Sollten Sie dennoch einen in Ihrem Apfel vorfinden, dann hat er sich in ein bereits gemachtes Loch gelegt.
Zwar vertilgen Ohrwürmer für ihr Leben gern junge Blätter, was so manchen Gärtner oder Hobbybalkonisten ärgern sollte, doch ist ihre Reproduktionsrate mit einer Generation pro Jahr viel zu gering um eine ernsthafte Bedrohung ganzer Bestände darzustellen. Im Übrigen verzehren sie mit den Blättern auch gleich – und bevorzugt – die Blattläuse, dazu Spinnmilben, Insektenlarven und –eier und ähnliches gärtnerisches „Untier“ – sehr nützliche Bewohner Ihres Blumenbeets also.
Falls Sie zu dem Entschluss kommen, diesem possierlichen Tierchen einen Unterschlupf in Ihrem Garten gewähren zu wollen, um Ihre Blattlauspopulation in Grenzen zu halten, dann denken Sie bitte daran, dass diese nachtaktiven Geschöpfe Beleuchtung jeglicher Art meiden und Wärme und Bodennähe, Bäume und Sträucher bevorzugen.

Veröffentlicht im Falkenseer Kurier Nummer 4, Jahrgang 4, April 2006.

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Information

Dieser Eintrag wurde veröffentlicht am 30. April 2006 von in Natur, Tiere.

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